Markus Presslauer spricht offen über seine schwersten Krisen – und wie er Schritt für Schritt den Weg zurück ins Leben gefunden hat.
Neuer Sinn, neues Leben
Manchmal reicht ein einziger Moment, um das Leben aus den Angeln zu heben. Für Markus Presslauer war es der Tod seiner Mutter mit gerade einmal 15 Jahren. „Es hat sich angefühlt, als ob der Boden unter den Füßen wegbricht“, erinnert er sich.
Was folgte, war eine lange und schwere Zeit. Bis zu seinem 18. Lebensjahr funktionierte er noch einigermaßen – dann kam der erste Suizidversuch. Zwei weitere folgten im Abstand von jeweils zwei Jahren. Der letzte mit 24. „Seitdem ist es stückweise immer besser geworden“, sagt Markus heute.
Ein Satz, der alles veränderte
Den Wendepunkt brachte ein Gespräch mit einer Freundin. Sie sagte ihm, er solle es doch einmal „mit Leben probieren – das andere könne er sich immer noch nehmen“. Dieser Satz wurde zu einem Leitspruch für Markus. Er begann, negative Freundschaften zu beenden und Schritt für Schritt ein normales Leben aufzubauen.
Auch professionelle Unterstützung spielte eine große Rolle: Therapien, eine Tagesstruktur, das Auseinandersetzen mit den eigenen Themen. „Das hat mir Sicherheit gegeben und es jeden Tag ein Stück leichter gemacht.
Neue Sinnhaftigkeit
Der wirkliche Durchbruch kam mit der Geburt seiner Tochter. „Da war plötzlich eine Sinnhaftigkeit da, leben zu wollen.“ Heute weiß Markus, dass Gedanken an Suizid immer wieder auftauchen können – doch er hat gelernt, damit umzugehen. Sein erster Weg führt dann zur Therapeutin. So kann er Krisen abfedern, ohne stationär behandelt werden zu müssen.
Selbstwert neu aufgebaut
Ein weiterer Schritt: sich selbst neue Ziele zu setzen. Dinge, die viele in der Jugend erledigen, holte Markus später nach – den Führerschein, die Lehrabschlussprüfung, die Matura. „Das macht etwas mit dem Selbstwert. Man merkt: Ja, ich kann doch. Und dann macht das Leben noch mehr Freude.“
Seine Botschaft an andere
Heute spricht Markus offen über seine Erfahrungen. Sein Fazit: „Es lohnt sich auf alle Fälle weiterzumachen. Suizid ist eine dauerhafte Lösung für ein momentanes Problem. Alles Schöne, das nach meinen Suizidversuchen gekommen ist – das hätte ich sonst verpasst.“
Ein Satz, der Mut macht.
Das Interview führte Dr. Regina Seibl im Auftrag der PSZ Tirol und SUPRA.