Psychiater Dr. Thomas Kapitany spricht im Interview darüber, was Menschen in Lebenskrisen unterstützt – und wie sie neue Stärke daraus gewinnen können.
Wege aus der Krise finden
Eine Krise kann jeden Menschen treffen – plötzlich, unerwartet und oft überwältigend. Streit in der Familie, eine Trennung, der Verlust des Arbeitsplatzes oder ein Todesfall: Situationen wie diese können so belastend sein, dass man keinen Ausweg mehr sieht. Genau hier setzt das Kriseninterventionszentrum Wien an.
„Wir sind für Menschen da, die in einer akuten Krise stecken und schnell Hilfe brauchen“, erklärt Dr. Thomas Kapitany, Facharzt für Psychiatrie und ärztlicher Leiter des Zentrums. Gemeinsam mit einem Team aus Psychotherapeut:innen, Ärzt:innen und Sozialarbeiter:innen bietet er sofortige Unterstützung an – von einem ersten entlastenden Gespräch bis hin zu medizinischer und sozialer Begleitung. Besonders wichtig ist es, Betroffenen zuzuhören und ihnen Raum zu geben, ihre Verzweiflung auszusprechen. „Viele fühlen sich eingeengt, ohne Hoffnung, manchmal mit Suizidgedanken. Unser Ziel ist es, diese Enge zu öffnen und neue Wege sichtbar zu machen“, so Kapitany.
Auffällig sei, dass Männer seltener Hilfe suchen, obwohl sie deutlich häufiger durch Suizid sterben. Deshalb setzt das Zentrum Projekte speziell für Männer in Krisen um – damit auch sie erfahren, dass sie nicht allein sind. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit den Medien: Positive Geschichten über Menschen, die Krisen überwunden haben, können andere ermutigen, sich Hilfe zu holen. Dieser sogenannte Papageno-Effekt zeigt, wie wichtig es ist, Hoffnung sichtbar zu machen.
Am Ende bleibt die wichtigste Botschaft:
Es gibt Hilfe. Und es gibt immer einen anderen Weg als den Suizid.